Dünger

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  • #1132
    Kordelia
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    Grundsätzliches

    Oft wird Dünger als „Nährstoff“ bezeichnet. Das ist falsch! Pflanzen ernähren sich nicht von Dünger, sie ernähren sich von Licht, mit dessen Hilfe sie Traubenzucker, Stärke, Fett, Eiweiß, . . . herstellen, also alles, was Tiere und Menschen an Nährstoffen von Pflanzen erhalten.

     

    Düngerbestandteile spielt bei Pflanzen die Rolle, die in unserer Ernährung Vitamine und Mineralstoffe spielen: Sie sind in sehr kleinen Mengen unbedingt nötig. Die Pflanzen können sie aber meist nicht selbst dem Boden entnehmen, dazu brauchen sie Bodenbakterien, die die anorganischen Stoffe so aufbereiten, dass sie pflanzenverfügbar werden: Knöllchenbakterien an Leguminosen holen Stickstoff aus der Luft, Schwefelbakterien verwandeln wasserunlöslichen Schwefel in eine für Pflanzen aufnehmbare chemische Verbindung, Eisenbakterien, Kupferbakterien, . . . ein guter Mutterboden ist voll von solchen Organismen, die die Pflanzen versorgen.

     

    Wozu brauchen wir dann überhaupt noch Dünger? Zum einen natürlich, um die Stoffe zu ersetzen, die wir beim „Ernten“ wegnehmen, wobei Rasenmähen und Unkrautjäten auch in diese Kategorie gehören. Zum anderen, um bestimmte Pflanzenreaktionen zu verbessern: Stickstoff für üppigeres Blattgrün, Kali für festeres Holz, Phosphor für mehr und größere Blüten. Durch gezielte Düngergaben kann man also Pflanzen beeinflussen.

     

    Wenn man aber leicht lösliche Flüssigdünger verwendet, haben die Bodenbakterien nichts mehr zu „fressen“ und sterben, das Bodenleben nimmt ab, der Boden ist im Grunde nur eine unfruchtbare Wurzelhalterung und die Pflanzen sind fortlaufend auf Düngernachschub angewiesen. Dieser Vorgang ist auf modernen Agrarflächen bereits zu beobachten. Wenn man einen gesunden Boden erhalten, aber trotzdem düngen will, kann man auf wasserunlösliche Produkte zurückgreifen: Mist- oder Wollpellets für Stickstoff, Thomaskali für Phosphor/Kali/Spurenelemente, elementarer Schwefel usw. Dazu im einzelnen später mehr.

    Hier ein Beispiel für die Wirkung einer Düngung mit elementarem (nicht wasserlöslichem) Schwefel:

    Quelle: Fachhochschule Weihenstephan: Forschung Aktuell, Infodienst Mai 2004

    (leider nicht mehr im Netz).

     

    Wenn ich wieder Zeit habe, geht es weiter mit den verschiedenen Stoffen, die als Dünger wichtig sind.

     

    Gruß

    Kordelia

    Ein Garten macht glücklich!

    #1263
    Kordelia
    Teilnehmer

    Bei den meisten sogenannten Voll- oder Universaldüngern ist der Gehalt an den einzelnen chemischen Elementen meist in der Formel NPK+Mg wiedergegeben. Das bedeutet:

     

    • N  =    Stickstoff – Wachstum, insbes. Blattwachstum
    • P  =    Phosphor – Blütenbildung
    • K  =    Kalium – Festigkeit, insbes. bei Gehölzen
    • Mg = Magnesium – Bildung von Chlorophyll

    Außerdem benötigen Pflanzen noch

    • Ca =   Kalzium (Kalk) – Stabilität
    • S    =   Schwefel  –  Eiweißaufbau

     

    Nicht zu vergessen sind die Spurenelemente: Bor, Kupfer, Mangan, Selen, . . .

    Sie werden, wie der Name schon sagt, nur in Spuren benötigt, aber wenn sie nicht da sind, gedeihen die Pflanzen nicht ordentlich.

     

     

    So wie ich Zeit habe, werde ich in den nächsten Beiträgen die einzelnen Mineralstoffe ausführlich darstellen.

     

     

    Gruß

    Kordelia

     

    Ein Garten macht glücklich!

    #1274
    Kordelia
    Teilnehmer

    Auf der Seite eines renommierten Anbieters von exotischen Pflanzen bin ich auf einen dicken Fehler gestoßen: Bei Hovenia dulcis (Rosinenbaum) ist angegeben, man soll ihm bis September Volldünger geben! Gleichzeitig wird Kübelhaltung mit Überwinterung im Kalthaus empfohlen, obwohl der Baum in seiner Heimat bis -30°C frosthart ist.

     

    Typisch für einen Düngefehler: Gehölze soll man höchstens bis Juni mit stickstoffhaltigem Dünger versehen, weil sie sonst zu lange treiben und zu viel Wasser einlagern: Das Holz reift nicht aus. Und dann erfrieren sie, obwohl doch „frosthart“ angegeben war.

    Dasselbe gilt auch für Strauchpäonien.

     

    Am besten macht man es so, wie ich es von meinem Vater gelernt habe: Im Dreijahres-Rhythmus ein Jahr Thomaskali, ein Jahr Kalk, ein Jahr Kompost. Dann wächst zwar alles langsamer, aber ist kernig, fest und stabil.

     

    Gruß

    Kordelia

    Ein Garten macht glücklich!

    #1275
    Sabine LDK
    Teilnehmer

    Super Erklärungen, danke Dir! 🙂

    Ich lese aufmerksam mit.

    Liebe Grüße

    Sabine

    #1276
    Trachy
    Teilnehmer

    Danke für deinen interessanten Thread!

    Aber den Kalk  nur für kalkliebende Pflanzen.  😏

    Viele Grüße Jürgen

    #1277
    Irisfreundin
    Teilnehmer

    Danke für deinen interessanten Thread! Aber den Kalk nur für kalkliebende Pflanzen. 😏 Viele Grüße Jürgen

    Es ging doch um Gehölze! Welches Gehölz braucht keinen Kalk?
    Wikipedia:
    Anorganische Bestandteile
    Die anorganischen, nicht extrahierbaren, sekundären Holzinhaltsstoffe bleiben bei der Veraschung (Verbrennung) des Holzes über. Die häufigsten Elemente sind hierbei Calcium, Kalium, Magnesium und Mangan. Aus den Makro- bzw. Mikroelementen bilden sich die verschiedensten anorganischen Verbindungen. Der geringe Anteil der anorganischen Elemente im Holz ist im Vergleich zu seiner Beeinflussung der Holzeigenschaften sehr hoch. Somit ist der Kationen- oder Anionenanteil maßgeblich für den pH-Wert des Holzes verantwortlich. Verfärbungen des Holzes können entstehen. Die Faserstoffeigenschaften werden beeinflusst, wodurch sich bei der späteren Holzbearbeitung die Leimfähigkeiten und Oberflächenbehandlungen merklich verändern.
    Gruß
    Irisfreundin

    Richtig scheitern: Aufstehen, Krone richten, weitermachen

    #1278
    Kordelia
    Teilnehmer

    Schwefel

     

    Da dieser Stoff als notwendiger Dünger erst seit wenigen Jahrzehnten genannt wird, etwas ausführlicher:

     

    1. In den letzten 200 Jahren brauchte man nicht mit Schwefel zu düngen, denn aus den Schornsteinen der Industrieanlagen und den Abgasen von Autos kam so viel Schwefeldioxid, dass es als „Saurer Regen“ sogar Zerstörungen anrichtete (z. B. Löcher in Nylonschirmen). Deshalb war es nicht nötig, Schwefel zu düngen, im Gegenteil, mit Kalk wurde der Schwefeleintrag teilweise absichtlich neutralisiert. Das ist seit 20-30 Jahren anders. Funktionierende Entschwefelungsanlagen in Verbindung mit einer florierenden Rigipsproduktion haben das Schwefeldioxid aus unserer Luft praktisch ganz verschwinden lassen. In meinen Gartenbüchern aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts kommt Schwefel als Düngesubstanz gar nicht vor!
    2.  

    3. Pflanzen brauchen Schwefel für den Eiweißaufbau, also die „lebendige“ Substanz in jeder Zelle. Auch die Senföle der Zwiebelgewächse und die Chili-Schärfe sind Schwefelverbindungen. Ohne Schwefel kein Pflanzenleben!  Besonders die Fachhochschule Weihenstephan hat Anfang des Jahrhunderts umfangreiche Forschung dazu betrieben. Leider sind die Berichte nicht mehr im Netz, obwohl sie natürlich noch dem Copyright unterliegen. Mein Wissen stammt zu großen Teilen aus den damals veröffentlichten Berichten.
    4.  

    5. Schwefel kann man in zweierlei Formen düngen:
      –  Als wasserlösliches Salz (Sulfat), das leider ausgewaschen werden kann und die Bodenbakterien nicht beschäftigt und bei falscher Dosierung Verätzungsschäden anrichtet.
      – Als elementarer Schwefel. Elementarer Schwefel ist als einziges Mineral auch im Bio-Anbau zugelassen. Er wird teilweise auch aus gemahlenen Schwefelablagerungen von Vulkanen hergestellt. Elementarer Schwefel ist nicht wasserlöslich. Er muss von Bodenbakterien in eine pflanzenverfügbare Form umgewandelt werden.
    6.  

    7. Schwefelbakterien sind im gesunden Boden allgegenwärtig. Sie arbeiten aber nur in dem eng begrenzten pH-Bereich, wird der Boden zu sauer, stellen sie ihre Tätigkeit ein; nimmt dann der Säuregrad ab, beginnen sie wieder Schwefel zu verarbeiten. Dabei können sie auch (schädliche) Kalkmengen beseitigen, indem sie den Kalk in wasserunlöslichen Gips verwandeln. Weihenstephan nennt hier bis zu 34% Kalk im natürlichen Kompost, der abgepuffert wird.
    8.  

    9. Musste man bis vor einigen Jahren den elementaren Schwefel noch als gemahlenes gelbes Schwefelpulver verteilen, das bei Wind schwer gleichmäßig auszubringen war, gibt es jetzt sogenannte Schwefellinsen, die zu 80% aus Schwefel und zu 20% aus Urgesteinsmehl bestehen, also auch noch Spurenelemente liefern und zur Humusbildung beitragen.

     

    Gruß

    Kordelia

    • Diese Antwort wurde geändert vor 5 Monaten, 1 Woche von Kordelia.

    Ein Garten macht glücklich!

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